Kommende Gäste & Specials

Programmlänge ca. 80 Min.

Di. 7.7. / 20:00 kuratiert und eingeführt von Christine Rüffert (Uni Bremen)

„Selbstbewusst, ironisch, provokant, lustvoll verhandelt das Queer Cinema Fragen der Repräsentation von Homosexualität und Geschlechtsidentität. Neben einer selbstbestimmten Darstellung gleichgeschlechtlichen Lebens und Liebens rückt dabei zunehmend die Auseinandersetzung mit den weiteren Kategorien wie gender/race/age in den Fokus. Ein historischer Überblick zeigt, dass die binäre Geschlechterordnung nicht erst mit dem Aufkommen der Diskussion um Trans*Identitäten infrage gestellt wird. In den gezeigten Experimentalfilmen verbinden sich inhaltliche mit ästhetischen Grenzüberschreitungen zu intendiert komischen und vielfach musikalischen Performances von Gender jenseits der Normativität.
Mit dabei der legendäre schwule Klassiker Fireworks, in dem der damalig 17-jährige Kenneth Anger 1948 in seinem Elternhaus sexuelle Phantasien mit ein paar Freunden in Matrosenuniformen ins Bild setzte. Ein weiterer 16mm-Klassiker stammt von der Ikone des American Underground Jack Smith. Ebenfalls auf 16mm drehte Michael Brynntrup (inzwischen Professor an der HBK Braunschweig) in den frühen 1990ern eine superkomische Persiflage auf Rollenklischees in Sprachlernkursen. Jüngere Videoarbeiten hinterfragen noch deutlicher die Normierung von Geschlecht und sexueller Orientierung, wenn etwa Marie Losier sich frech als der begehrende Mann in einen Ingmar Bergmann-Film hineinkopiert oder einen Musikclip für den*die genderfluide*n Musiker*in Genesis P-Orridge dreht. Die Asiatin Celeste Chan schließlich thematisiert selbstbewusst die erfahrenen Ausgrenzungen aufgrund von Hautfarbe und Körpergewicht innerhalb der queer community, bevor im finalen MeTube Clip auch Diskriminierungen des Alters über Bord geworfen und zu Opernmusik eine rauschende SM-Orgie gefeiert wird.“ (Christine Rüffert)

Die Filme:

| Kenneth Anger | Fireworks | 1948 | 14:00
| Jack Smith | Hot Air Specialists | 1970 | 7:00
| Michael Brynntrup | Liebe, Eifersucht und Rache | 1991 | 7:00
| Marie Losier | The Touch | 2001 | 6:00
| Marie Losier | Papal Broken Dreams | 2008 | 6:00
| Celeste Chan | Absence: No Fats, No Fems, No Asians | 2014 | 7:17
| Daniel Moshel | MeTube: August sings Carmen 'Habanera' | 2013 | 4:00

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Filme vom 2.7. bis 8.7.

USA 2019, Regie: Melina Matsoukas, 132 Min., OmU

ab Do. 2.7.  / 17:30 oder 20:00

Aktueller denn je. Was zu Beginn von „Queen & Slim“ unbescholtenen schwarzen Menschen in den USA passiert, ist angesichts der Ereignisse in Atlanta mit neuen Augen zu sehen. Die unberechenbare rassistische Polizeigewalt, die seit Jahrzehnten Alltag ist, kann wegen einer Nichtigkeit dein Leben zerstören.
Queen, eine junge Anwältin, und Slim, ein tief gläubiger junger Mann, sind nach ihrem ersten Date auf der gemeinsamen Heimfahrt im Auto, als sie von einem Polizisten angehalten werden. Die Verkehrskontrolle eskaliert, der Polizist beleidigt und misshandelt das afroamerikanische Paar. In Notwehr erschießt Slim ihn. Angelas Erfahrung mit dem Rechtssystem, wenn Schwarze betroffen sind, bewegt das unfreiwillige Paar zur Flucht Richtung Florida und Kuba. Was sie nicht wissen: Der Vorfall wurde gefilmt, die Aufnahmen gehen viral.
Melina Matsoukas bedient in ihrem Spielfilmdebut jedoch nicht die vornehmlich auf Spannung ausgelegten Klischees einer Verfolgungsjagd. „Sie entfaltet in diesem Roadmovie eine große poetische Kraft, die weit mehr ist als politische Polemik. In den meist nächtlichen Fahrten durch Amerika, in den vielen Begegnungen, in Ablehnung und Solidarität, öffnen sich ihre Figuren, geben sehr glaubhaft Ängste und bittere Erfahrungen preis. Das liegt nicht zuletzt am wunderbaren Spiel von Daniel Kaluuya („Get Out“) und Jodie Turner-Smith, die diesem Paar eine verletzliche Menschlichkeit schenken, die in kein Heldenschema passt.“ (Knut Elstermann / www.radioeins.de). Eine Schlüsselrolle im Film spielt auch der Soundtrack - Matsoukas drehte bisher Musikvideos für Rihanna und Beyoncé.

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D 2019, Regie/Drehbuch/Kamera: Sobo Swobodnik, 84 Min.

ab Do. 2.7. / 17:30 oder 20:15

Seit 25 Jahren lebt der Deutsche Thomas Walter im Untergrund. Walter war 1995 Teil der autonomen Szene in Berlin. Ihm und zwei Freunden wird vorgeworfen, einen Brandanschlag auf ein noch leeres Abschiebegefängnis verübt zu haben. Als Mitglieder einer linksterroristischen Vereinigung gesucht, haben die drei sich für ein neues Leben in Venezuela entschieden. Erst 2017 hat Walter wieder Kontakt zu seiner Familie aufgenommen. Der Filmemacher Sobo Swobodnik ist ein Verwandter von Walter und nutzte die Gelegenheit, ihn 2018 in Venezuela zu treffen. In den Anden Venezuelas lebt er in einem kleinen Haus mit Garten und Hühnern und wartet darauf, dass die venezolanischen Behörden über seinen Asylantrag entscheiden. Die deutschen Behörden dagegen haben einen Auslieferungsantrag gestellt. Was hat das Leben im Untergrund mit Walter gemacht? Noch dazu im krisengeschüttelten verarmten Venezuela. Politisch ist er weiterhin aktiv und er glaubt daran, die Gesellschaft mit Musik verändern zu können. Die Musik als Widerstandsform nutzt auch Mal Élevé, der ehemalige Sänger der Band „Irie Révoltés“. Er besucht Walter in Venezuela für gemeinsame Aufnahmen und sie bereisen das Land.

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D 2019, Regie: Sarah Winkenstette, 89 Min., empf. ab 10 Jahren

ab Sa. 27.6. / 15:00

Da sein Heimatdorf einem Braunkohletagebau weichen soll, müssen der 12jährige Ben und seine Familie in die nächstgrößere Stadt umziehen. In der neuen Schule ist er erst mal der Außenseiter. Und auch im neuen Fußballverein laufen die Dinge für den talentierten Stürmer nicht wie erhofft. Zu allem Überfluss gibt es noch einen weiteren Neuankömmling an der Schule: Tariq, 11 jahre, Flüchtling aus Syrien, stiehlt ihm erst in der Klasse die Show und punktet dann auch noch auf dem Fußballplatz. Wird Ben im Abseits bleiben – oder hat sein Konkurrent mehr mit ihm gemeinsam, als er denkt?

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